Aufbäumen statt Abholzen
Baumhüttendorf besteht seit fünf Tagen
Freiburg, 24 .10.1996. Zwölf Baumhäuser befinden sich in luftiger Höhe im Freiburger Konrad- Guenther Park. Wo jetzt bis zu 300 Jahre alte Eichen stehen, plant die Bundesregierung den Bau einer vierspurigen Autobahn. Die geplante Trasse von Breisach nach Ulm wird vom Freiburger Oberbürgermeister Dr. Rolf Böhme als Ortsumfahrung verniedlicht. Unfreiwillig ist er damit auch Schirmherr der BÖHMischen Dörfer GmBh (Gemeinschaft mit Baum Häusern). Die Umweltschützer wollen mit Ihrem Baumhüttendorf den Bau des 7,5 km langen und 618 Mio. DM teuren Teilstücks der Straße verhindern.
Die Kosten für den Straßenbau sollen privat vorfinanziert werden", erklärte der BÖHMische Dörfer Sprecher, Stephan Muth. Es sei ein Unding, daß umweltfreundliche Alternativen nur deshalb nicht in Betracht gezogen wurden, weil dafür die Finanzierung fehlt, kritisiert Muth. Die Bundesregierung zahlt nur für das Mammutprojekt der vierspurigen B31 Ost Neu. Der Bundesrechnungshof hält die private Vorfinanzierung für verfassungswidrig und haushaltsrechtlich für sehr bedenklich. Die Baukosten steigen allein durch diese Art der Finanzierung um etwa 30 %. Freiburger Umweltinitiativen schlagen seit 23 Jahren, so lange besteht die Planung der Straße, umweltfreundliche Alternativen vor, die dann aber die Stadt selbst bezahlen müsste.
Nachdem bisher alle Klagen gegen die Straße nicht gefruchtet haben, sehen die Anwohner der zukünftigen Straße in der Baumbesetzung ihre letzte Chance. "Mit gewaltfreiem aber bestimmten Widerstand, werden wir verhindern, daß eine B31 Ost Neu gebaut werden kann. Wir können uns in den Baumkronen fast wie auf der Erde bewegen. Wir haben die Baumkronen miteinander vertaut, und unsere Baumhütten für längere Zeit eingerichtet. An keiner Stelle des 1500 qm großen Areals können Seile getrennt werden, ohne daß das gesamte Sicherungssystem instabil wird und die Baumbewohner gefährdet", sagt einer der professionellen Kletterer.
Die Unterstützung der Freiburger Bevölkerung ist vom ersten Tag an sehr groß. Täglich werden große Mengen Lebensmittel und fertige Mahlzeiten gespendet. Darüberhinaus werden Baumaterialien wie Holzpaletten, Seile und Planen gestiftet. Viele Anwohner bieten Schlaf- und Aufwärmmöglichkeiten an. "Der Rückhalt der Freiburger Bevölkerung ist überwältigend und die Erinnerung an die früheren erfolgreichen südbadischen Umweltschutzaktionen lebt auf", schloss Muth.
Achtung Redaktionen: Weitere Informationen und S/W-Bilder direkt aus den Bäumen erhalten Sie unter der Rufnummer 0171-8123974. TV-Bildmaterial erhalten Sie unter 0761-709512 oder -14 (Fax)
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BÖHMschE Dörfer GmBh - Gemeinschaft mit Baumhäusern
Letzte Änderung: 2. Dezember 1996