B31 NEU - VERKEHRSWENDE
Sommersemester 1997
Eine interdisziplinäre Ringvorlesung an der Pädagogischen Hochschule Freiburg
Verkehrskonzepte der Zukunft
Norbert Göbel
(Leiter des Tiefbauamtes Freiburg)
# Entwicklung der Verkehrskonzeption in Freiburg * Bereits Ende der 60-iger Jahre den Grundstein gelegt - auch bei ständig sich ändernden politischen Konstellationen * Handlungsfeld der Stadt: konsequente Entwicklung der Verkehrsplanung in der Verwaltung, verantwortlich Tiefbauamt, alles unter einem Dach: von der Planung bis zur Ausführung # Ziele der Gesamtkonzeption * Kraftfahrzeugverkehr reduzieren * Umweltverbund Fußgänger, Radfahrer und öffentlichen Personennahverkehr fördern * Oberzentrumsfunktion stärken * nicht verlagerungsfähigen Anteil des Kraftfahrzeugverkehrs stadt- und umweltfreundlich führen Die 5 Säulen [IMAGE] # Umsetzung dieser Ziele - dargestellt in den 5 Säulen der Freiburger Verkehrspolitik: 1. Verkehrsberuhigung 2. ÖPNV-Förderung: von der Stadtbahn über die Regio-Karte zur Breisgau-S- Bahn 3. Radverkehr 4. Parkraummanagement - die Bewirtschaftung des öffentlichen Verkehrsraumes durch Gebühren 5. Bündelung des Kraftfahrzeugverkehrs auf wenigen aber leistungsfähigen Straßen: Beispiel: B 31-Ost neu 1. Verkehrsberuhigung - Fußgängerzone Innenstadt, flächendeckend bereits 1973, Ziel der letzten Jahrzehnte * Erweiterung der Innenstadt Richtung Bahnhof nach Westen * Überwindung des trennenden Rings - Verkehrsberuhigte Bereiche Zahlreiche Quartiere im Innenstadtrandbereich und in den neuen Stadtteilen - Tempo-30-Regelung flächendeckend für die gesamte Stadt, abgeschlossen bereits 1989 2. Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs [IMAGE] Regio-Verkehrsverbund * 1972 Entscheidung des Gemeinderates zum Erhalt und zum zügigen Ausbau des Straßenbahnnetzes zum Stadtbahnnetz * Trassierung in die westlichen Stadtteile über den Hauptbahnhof nach Lehen und Landwasser, Inbetriebnahme 1985 * Planung in der Schwerachse der Bebauung * Führung auf eigenen Gleiskörpern mit Bevorrechtigung an Lichtzeichenanlagen * Inbetriebnahme der Linie nach Weingarten 1994 * Anbindung und zentrale Führung der Stadtbahn in den neuen Stadtteil Rieselfeld mit künftig 10000 Einwohnern (Inbetriebnahme am 13.9.´97) * Schaffung eines herausragenden zentralen Umsteigepunktes zwischen Deutscher Bundesbahn und Stadtbahn am Hauptbahnhof * Verknüpfung der Stadtbahn mit dem regionalen Bussystem an den Endpunkten * Von der Umwelt- zur Regiokarte * Ausdehnung des Stadtbahnnetzes nach Haslach, nach Gundelfingen, Richtung Kappel * Entwicklung eines Breisgau-S-Bahn-Systems 2005 mit Verknüpfung der Stadtbahn und einem regionalen Bus-System 3. Radverkehrsnetz * Ausweitungen des Radverkehrsnetzes von 29 Km auf 400 Km * Das Fahrrad ist in Freiburg ein ernstgenommenes Verkehrsmittel * Konzepte für Abstellanlagen in der Innenstadt * Bike-and-Ride-Anlagen entlang der ÖPNV-Linien Die städtische Radverkehrskarte hilft, die richtige Route zur Arbeit, zur Schule oder ins Grüne zu finden Radkarte [IMAGE] 4. Parkraummanagement zentrales Problem der Zukunft und eine wichtige Stellschraube der städt. Verkehrspolitik * Bewirtschaftung des öffentlichen Straßenraumes mit Gebühren * Anwohnerbevorrechtigung flächendeckend 5. Bündelung Straßen für den notwendigen Kraftfahrzeugverkehr * Mooswaldallee, zeitgleich Rückbau Eschholzstraße * Ausbau Bismarckallee/Schnewlinstraße, zeitgleich Rotteck-/Werderring durch Reduzierung des Fahrbahnquerschnittes von 4 auf 2 Spuren B 31 Ost - neu, mit Rückbau Schwarzwaldstraße * Regionale Verbindung zwischen Stadt und Region, Teil einer Bundesstraße * Erste Überlegungen von vor dem Krieg - zahlreiche Varianten - * Im Flächennutzungsplan der 50-iger Jahre Führung parallel zur Höllentalbahn * Hoher Abstimmungsbedarf, nie gab es bei einer Maßnahme soviel Gespräche mit den Bürgern und soviele Debatten im Gemeinderat * Planung heute: 2 Tunnel am Meßplatz und am Giersbergweg, ca. 2,0 Km, dazwischen offene Tieflage mit Lärmschutzwänden * Inbetriebnahme: 1. September 2000 * Fortsetzung im Stadttunnel bleibt Ziel der Stadt # Ergebnisse der bisherigen Entwicklung: Deutliche Veränderung des "modal-Split" ! [IMAGE] # Blick in die Zukunft: ==> Ein hohes Mobilitätsbedürfnis im Bereich Arbeitsmarkt, Freizeit und Tourismus sowie im Güterverkehr bleibt erhalten ==> Die regionale Komponente gewinnt noch mehr an Bedeutung. Stadtgrenzen sind kein Hindernis mehr, auch keine Ländergrenzen - das gilt für alle Verkehrsarten: Kraftfahrzeugverkehr, den ÖPNV, den Rad- und auch im kleinen Maßstab den Fußgängerverkehr Freiburg von außen nach innen: * Die schnelle Güterbahn führt entlang der Bundesautobahn um die Stadt. * Über die ausgebaute Rheintalstrecke bestehen schnelle Verbindungen mit dem ICE - nach Berlin und nach Mailand, mit dem TGV nach Paris. * Unsere Breisgau-S-Bahn ist mit der Regio-S-Bahn in Basel vertaktet. * Mulhouse und Colmar sind über die Schiene von Freiburg aus erreichbar. * Freiburger Stadtbahnen fahren nach Umkirch und Gottenheim im Westen, nach Kappel im Osten, nach Gundelfingen im Norden. Das Hexental und der Stadtteil Vauban sind über den Rotteckring direkt mit dem Theater und dem Siegesdenkmal verbunden. * Der durchgehende Kraftfahrzeugverkehr wird in Nord-Süd-Richtung um die Stadt geführt. Für den Ost-West-Verkehr steht die B 31 und der Stadttunnel zur Verfügung. * Trotzdem bleibt für Besucher mit dem Auto die Innenstadt erreichbar, genauso wie der Lieferverkehr und der Handwerkerverkehr. Anlieferer und Handwerker sind zur Versorgung der Stadt und die Lebendigkeit unerläßlich. Die City-Logistik garantiert eine erheblich geringere Anlieferung, insgesamt ist der gesamte öffentliche Raum bewirtschaftet. * Für den Radverkehr steht ein breit gefächertes Radverkehrsnetz zur Verfügung, über das alle Stadtteile erreichbar sind. Die besondere Attraktion ist der Fahrrad-Boulevard des früheren Rotteckrings und Werderrings. * Eine durchgehende Fußgängerzone erstreckt sich zwischen Schloßberg und Hauptbahnhof. * Die Tempo-30-Regelung ist längst von einer Tempo-20-Regelung abgelöst. * Verkehrsberuhigungsbereiche sind vernetzt mit Spiel- und Aufenthaltsflächen versehen. Dazu zählen auch die Grünflächen an der Dreisam, die durch den Stadttunnel wieder zum Verweilen einladen. * Die verkehrspolitischen Entscheidungen tragen mit dazu bei, daß viele Menschen jetzt wieder gerne in der Stadt wohnen. # Resümé: Insgesamt kann festgestellt werden, durch das Engagement der Bürgerinnen- und Bürger und nach lang anhaltenden politischen Diskussionen, ist - trotz der hohen Mobilität in Freiburg - der Fußgänger Maßstab geblieben.
 

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Letzte Änderung: 19. August 1997