B31 NEU - VERKEHRSWENDE
Sommersemester 1997
Eine interdisziplinäre Ringvorlesung an der Pädagogischen
Hochschule Freiburg
Verkehrswegepolitik in Europa: Die B31 im europäischen
Fernstraßennetz
Christian Hey
(EURES Institut für regionale Studien in Europa)
Im Juli 1996 haben sich der europäische Rat und das europäische
Parlament auf eine "Entscheidung" für Leitlinien zu den Transeuropäischen
Netzen geeinigt. Der Vortrag befaßte sich kritisch mit den Auswirkungen
dieses Programmes, das ein Autobahnnetz über 58 000 km, ein Schienennetz
von 70000 km, 250 Flughäfen, 12000 km Binnenwasserstraßen und
Investitionen über 400 Mrd. ECU bis zum Jahre 2010 umfassen soll.
Die wesentlichen Thesen des Vortrages waren: 1. Die TENs sind vor allem
ein "Symbol" für Europa und eine Aquisitionsliste, die Fördergelder
verspricht. Sie sind aber weniger "europäisch" als man annehmen könnte.
2. Mit den TENs sollen zahlreiche Ziele verfolgt werden, vor allem: die
Erschließung und Verkleinerung des europäischen Raumes, die
Schaffung von Arbeitsplätzen durch ein keynesianisches Beschäftigungsprogramm
und langfristig durch die Verbesserung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit,
die Verminderung des Regionalgefälles, die Integration der verschiedenen
nationalen Verkehrssysteme und der verschiedenen Verkehrsträger, sowie
den Umweltschutz. 3. Nach dem Stand des Wissens kann man bei den meisten
Zielen, insbesondere den regional-, den arbeitsmarkt-, den verkehrs- und
den umweltpolitischen Zielen von einer Zielverfehlung ausgehen. Zum Teil
bewirken die TENs das Gegenteil von dem, was sie beanspruchen. 4. Dies
ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die TENs nicht
auf der Basis bestimmter Kriterien entwickelt worden sind, sondern die
Addition der nationalen Verkehrspläne sind. Sie folgen einem "Wunschlistenansatz".
Krassestes Beispiel ist die Aufnahme des deutschen Transrapid in die TENs,
auch wenn er ein völlig neues nationales System ist, das weder mit
dem Prinzip der Kooperation zwischen den Verkehrsträgern noch dem
grenzüberschreitenden Systemkompatibilität vereinbar ist. 5.
Europa steckt zwar jedes Jahr ca. 10 Mrd. DM in Verkehrswege - hat aber
keine Kompetenzen die Qualität dieser Investitionen zu kontrollieren.
Zielverfehlung, ökonomische Ineffizienz und schwerwiegende Umweltschäden
werden damit wahrscheinlich. 6. Auch die in den Leitlinien verankerte "strategische
Umweltverträglichkeitsprüfung (SUVP)" für das gesamte Netz
kann allein noch keine Lösung bieten. Eine Bewertung der Umweltwirkungen
des gesamten Netzes ist bedeutsam zwar für die Revision der Netzpläne
- allerdings wäre ein kritisches Ergebnis kaum mit der additiven Planungslogik
der TENs vereinbar. Die nationalen Verkehrsministerien werden nicht zulassen,
daß eine SUVP tatsächlich zu einem kritischen Ergebnis führt.
7. Es ist daher eine kritische Öffentlichkeit notwendig, um zu verhindern,
daß eine SUVP für die TENs methodisch so verfälscht wird,
daß sie ergibt, was sie ergeben soll. Hier sind vor allem die europäischen
Umweltverbände und das europäische Parlament gefordert, eigene
Fachkenntnisse für eine SUVP zu den europäischen Verkehrswegen
zu bilden. Es ist eine der wenigen Chancen überhaupt auf die Verkehrswegeplanung
Einfluß zu nehmen. 8. Langfristig ist jedoch auch eine grundlegende
Reform der undemokratischen und intransparenten Verkehrswegepolitik notwendig.
Diese muß demokratisiert, dezentralisiert und "entflochten" werden.
Es geht nicht mehr an, daß mit Geldmitteln von oben die demokratische
Diskussion von unten verzerrt wird. Jede politische Ebene (Region, Nation,
Europa) sollte die Zuständigkeiten für die Verkehrswegeplanung
aller Verkehrsträger haben, die für diese Ebene von Bedeutung
sind. Es ist dann eine verkehrsträgerübergreifende Planung nötig.
Die Prioritätensetzung der öffentlichen Investitionen wird Gegenstand
einer öffentlichen Diskussion und nicht mehr durch zweckgebundene
Finanztransfers von oben verzerrt. Teil dieses Prozesses muß eine
SUVP werden mit der die ökologischen Auswirkungen der Pläne abgeschätzt
und öffentlich diskutiert werden. Weiterhin muß der Ausgleich
zwischen Regionen von unterschiedlicher Finanzkraft durch eine verkehrsmittelunabhängige
Mobilitätspauschale durchgeführt werden. Erst diese Reformen
erlauben auf jeder politischen Ebene eine demokratische Auseinandersetzung
darüber welchen und wieviel Verkehr man haben will und entzieht dies
den Klüngeln von Verkehrsplanern, Technikern und Schaufensterpolitikern.
Übersicht: transeuropäisches Verkehrsnetz - Straßen (Europa)
[IMAGE] Übersicht: transeuropäisches Verkehrsnetz - Straßen
(Deutschland) [IMAGE] Übersicht: transeuropäisches Verkehrsnetz
-Eisenbahnen (Europa) [IMAGE] Übersicht: transeuropäisches Verkehrsnetz
- Eisenbahnen (Deutschland) [IMAGE]
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Letzte Änderung: 19. August 1997