Böhmische Zeitung

Nr. 005 / 1. Jahrgang, Dienstag, 25. März

Elektronische Ausgabe für /BAWUENET und /CL-Netz 
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---------------- Stand der Klagen ----------------
Freiburg (def) Laut dem 1993 geschlossenen Vergleich sollte die B31 von Osten nach Westen gebaut werden. Die momentane Planung sieht jedoch vor, an mehreren Stellen gleichzeitig zu bauen. Dagegen klagten zwei Vergleichsbeteiligte mit einem Eilantrag, über den in der vergangenen Woche entschieden wurde. Der Antrag wurde vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg abgelehnt. Die Beschwerde wegen der Kiesaufbereitungsanlage wurde ebenfalls abgelehnt. Die Urteilsbegründungen stehen allerdings noch aus. Der Widerstand auf jurisischer Ebene muß also längst noch nicht zu ende sein. Regierungspräsident Schroeder hingegen forderte, auf weitere Klagen zu verzichten und den Bau der Straße zu akzeptieren.
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EU rügt private Vorfinanzierung
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Brüssel/Freiburg (ghi) Das Statistische Amt der EU hat in der letzten Woche verfügt, daß die Bundesrepublik die versteckten Schulden der privaten Vorfinanzierung bei der Einhaltung der Konvergenzkriterien für die europäische Währungsunion berücksichtigen müsse. Dadurch steigt die relevante Schuldenlast um mindestens 10 Mrd. DM. "Damit ist das Täuschungsmanöver der Bundesregierung gescheitert", konstatiert der Europaabgeordnete Wilfried Telkämper. Durch den Zwang, den "Straßenbau auf Pump" als Schulden auszuweisen, wird auch das gesamte Modell der privaten Vorfinanzierung für den Bund künftig uninteressant.
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Baulöwen - Schau
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Bei der Dienstags-Demo am 18. März spannten die TeilnehmerInnen am Gitterzaun der Züblin - Container in der Schützenallee ein 4m breites Transparent auf: "Neu auf dem Meßplatz: ZOO-Tierschau - die größte Wühlmaus der Welt - und ZUBLI, der zukunftsblinde Riesenmaulwurf."
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Terminä:
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Dienstagsdemo: gehen weiter, am 1.4. Walzerdemo um 18h
Gottesdienste Karfreitag, 10.30h
Ostersonntag, 10.30 mit Hans Pfeifer, Pfarrer i.R.
 

Perspektiventreffen:
3.4. Treffen der Aktionsbündnisse gegen die B31 Ost
5.4. "offenes Perspektivenplenum" im Konrad Guenther Park um 10h mit Frühstück
 

TAZ-Aktionstag am 12.04. in Freiburg unbedingt vormerken, denn der Besuch der BerlinerInnen wird für den Widerstand nicht folgenlos sein.
 

Samstag 5. April Frühjahrsmeeting im Park
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Perspektiven des Widerstandes
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Freiburg (abc) Die Kirschen blühen. Unaufhaltsam bahnt sich der Frühling seinen Weg ins Dreisamtal. Auch die Eichen werden bald ausschlagen-Eichen? - Da war doch was? Für einige Exemplare dieser Spezies im Freiburger Osten findet der Frühling ï97 nur noch horizontal statt-oder gar in kleine Schnipsel gehäckselt! Angesichts des wiederkehrenden Grüns keimen auch andere Gedanken: Was wird anno ï97 aus der Wut, dem Ärger und dem Unverständnis über den nun offensichtlich beginnenden Bau ,der Straße" ? Ist es noch sinnvoll, den Bau zu begleiten und wenn ja, wie - oder sollte mensch sich neuen Ufern zuwenden ?.... Zu diesen Fragen ein paar denkbare Szenarien: Es geht weiter.....mensch ist demokratisch bemüht, pflanzt Blumen und sucht immer und immer wieder das Gespräch mit den ,Anderen" und ,unserer" Polizei. Friede, Freude und nur sehr dezent gewürzter Eierkuchen .....das weiche Wasser höhlt den Stein. Anderswo streiten. Die B31-Ost Geschichte ist gelaufen - das Ding ist durch! Warum seine Kräfte sinnlos verpulvern? In Freiburg und Umgebung gibt es andere Schauplätze der ,SCHNELLER HÖHER WEITER" - Politik, der Einhalt zu gebieten im Grunde unser Ziel sein muß! (B 31-West, Ausbau der Berliner Allee, Rasthof Hartheim, Genmais Buggingen, 20 Jahre Fessenheim, und, und, und...) Jetzt gehts erst richtig los! Wenn sie bauen, bauen sie an vielen Stellen, haben viele Maschinen und Fahrzeuge in Betrieb. Das ist unsere Chance! In Freiburg und Umgebung sind etliche Firmen an der Realisierung des 500 Mio.- Projekts beteiligt, die davon überzeugt werden sollten, daß sie sich bzw., ihren Mitarbeitern langfristig selber schaden, wenn sie den Bau durchziehen. Überall im Dreisamtal wird es Stellen geben, wo es sich lohnen kann, den Hebel anzusetzen, um das Räderwerk der Planierer ins Stocken geraten zu lassen. Zurückziehen! Das Engagement der letzten Monate und seine Ergebnisse haben gezeigt, daß es der falsche Weg war. Mensch müßte sich stattdessen mit Gleichgesinnten zusammentun und ein ,anders Leben" - Projekt starten. Sich selbst so weit wie möglich vom System unabhängig machen - seine Versorgung, seine Kultur, die eigene und die Bildung seiner Kinder nicht mehr einem Staat überlassen, der gegen die ureigensten Interessen handelt. Der Castor - Effekt: In der Bundesrepublik ist in den vergangenen Wochen in zunehmendem Maße die Straße als politisches Forum entdeckt worden. Sei es nun der martialisch durchgedrückte Castor - Transport, die demonstrierenden Kumpel in Bonn, alle suchten sich ihren Erfolg auf der Straße. Auch in Freiburg gibt es Leute, die immer noch gegen den Straßenbau sind, den Mut aber verloren haben und sich ihrem sogenannten Schicksal hingeben. Diese noch einmal zu mobilisieren, sich noch einmal auf die Straße zu stellen, könnte die Taktik der nächsten Monate sein. Es gäbe sicherlich noch weitere Möglichkeiten, wie der Widerstand auf den Baubeginn reagieren könnte. Wer sich an der Diskussion beteiligen will, kommt am besten am Samstag, den 5.April zum Spätstück in den Konrad- Günther-Park.
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Bericht aus Bonn: Ankunft der "Esperanza" in Bonn
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Bonn. Das Protestfloß "Esperanza" der Böhmischen Dörfer ist am 28. Februar in Bonn angekommen. Das Verkehrsministerium nahm die Ankunft freundlich unbeeindruckt zur Kenntnis. Mit gehißtem Segel steuert das Holzfloß seinen Anlegepunkt hinter der Bonner Bannmeile an. Erwartet werden die FlößerInnen von der Fahrradcrew, den eigens angereisten FreundInnen der Aktionsbündnisse und einigen Bundestagsabgeordneten. In den letzten 14 Tagen paddelten etwa 25 UmweltaktivistInnen für eine ökologische Verkehrswende den Rhein von Breisach aufwärts nach Bonn. Verbunden war die Tour mit einer Pressekonferenz in Karlsruhe und einem Informationsabend in Mainz. Jubelrufe und strahlende Gesichter als das Floß festmacht. "Wahnsinn, wir haben es geschafft" , ruft erleichtert die Flößerin Katrin aus. An der Rheinpromenade beginnt ein Freiburger Familien-Happening. Die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Gila Altmann, überreicht einen baumförmigen Willkommenskuchen. Die Pressevertreter suchen sich ihre InterviewpartnerInnen. Michel Wenzler ergreift das an Bord verstaute Freiburger Mitbringsel und streckt es in die Höhe: eine Flaschenpost gefüllt mit zahlreichen Protestbriefen gegen die B 31 Neu und die gegenwärtige Verkehrspolitik. Während die Besatzung den Kuchen verdaut, steigen drei FlößerInnen aufs Rad und fahren zum Verkehrsministerium, um dort die Post dem Minister zu überreichen. In Deutschlands Straßenbauschmiede kommt kurz hinter der Fußmatte der Ministerialdirigent Huber herbeigeeilt. Freundlich erkundigt er sich bei den drei VertreterInnen nach erlebten Abenteuergeschichten. "Pustekuchen, Du Seniorpfadfinder", denken sich die FlößerInnen und konfrontieren den Leiter der Abteilung Straßenbau mit der widerstandsfreudigen Freiburger Wirklichkeit. Nach zehn Minuten bedankt sich Huber für den kurzen Plausch und eilt zur Pressekonferenz. Es gilt heute vor der Öffentlichkeit ein Plädoyer für die private Vorfinanzierung abzulegen. Die Flaschenpost bleibt derweil im Kofferraum seines Autos liegen.
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Wochenspiegel: Die sichere Quelle
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Der Anblick eines Gemäldes der Sorte "B31 stoppen, Zukunft gestalten" auf einem Stromhäuschen im Dreisamtal ließ N.Trüstet mehrere Äderchen im Gesicht platzen - solcherart verunstaltet zog sie es vor, ihren Jahresurlaub zu nehmen und weilt nun samt ihrem Handbuch "Aphorismen, Wahrheiten, Sprichwörter" momentan auf einer Schönheitsfarm im Hochschwarzwald. Platz also, um Informationen aus erster Hand weiterzugeben, zum Beispiel, daß das Regierungspräsidium die Stadt Freiburg zur Teilnahme an dem Wettbewerb "Schöner Wohnen in Baracken" überredet hat (dotiert mit einem Darlehen in beliebiger Höhe). Baubürgermeister Ungern-Sternberg, den unsere Redaktion beim Ausfüllen des Anmeldezettels ertappte, dazu: "Wenn die aktuellen Klagen gegen den Bau Erfolg haben, bedeutet das eine enorme Verteuerung des Bauvorhabens. Wir reagieren jedoch flexibel und machen das Beste aus der Situation. Die Baubaracken der Firma Züblin sind preiswürdig - da sind wir sicher." Auch unsere Baumarkt-Korrespondentin hat erfolgreich recherchiert, sie ertappte Conrad Schroeder beim Kauf eines Spatens. Der Erwischte dazu: "Stadttunnel hin oder her, die B31 West wird gebaut - ich gehe jetzt Tatsachen schaffen." Bleibt der Bericht unseres Bullen-Maulwurfs (eine Art ökologischer Wolperdinger), der weiß, daß die Polizeischule Villingen aufgrund der überwältigenden Resonanz auf ihr Lehr-Video "Alpine Spezialisten in Eichen" eine Fortsetzung plant und um einen erneuten Drehtermin mit den AkteurInnen gebeten hat. Der Arbeitstitel der neuen Produktion lautet: "Räumung fließender Objekte" und wird speziell für die Klassen der Wasserpolizei südlicher Oberrhein gedreht. G. Rüchte
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Kommentar
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Das Protestfloß "Esperanza" hat auf seiner vierzehntägigen Reise ein beachtliches Medienecho gefunden. In Brüssel nimmt das Statistische Amt der EU auf Initiative der Bundesinitiative gegen die private Vorfinanzierung und Wilfried Telkämper (MdE) dem Straßenbau auf Pump seinen finanzpolitischen Sonnenschein. Kleine Siege, die eines unter Beweis stellen: Gelebte Demokratie und bürgerschaftlicher Widerstand verbreiten in den Fußregionen der Mächtigen und Machtbesessenen unangenehme Kälteschauer. Immer deutlicher tritt bei der Planung der B 31 Neu die Inkompetenz und die Verlogenheit der Verantwortlichen zu Tage. Es bietet sich heute für den Widerstand mit jeder neuen Aktion die reizvolle Aufgabe, die Füße dieser Betonfreunde weiter frieren zu lassen.
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Rückblick: Folge V
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Der Rechtsstreit wurde letztendlich durch einen Vergleich der Stadt Freiburg, des Landes Baden-Württemberg und des Bundes 1992/93 beendet, die Kläger zogen ihre Klagen zurück. Der Bund meldete anfänglich Bedenken, da durch die Änderungen im Vergleich neue Einsprüche zu erwarten waren und eine Aufteilung der zusätzliche Kosten angestrebt wurde. Man einigte sich darauf, daß der Bund 50% der Mehrkosten übernimmt und die Stadt die andere Hälfte, von der das Land 80% aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz bereitstellen wollte. Diesem Kompromiß, der Zusatzkosten von 3,12 Mio DM mit sich brachte, stimmte auch der Freiburger Gemeinderat zu. Aufgrund der neuen Gestaltung des Maria-Hilf-Knotens wurde ein neues Planfeststellungsverfahren erforderlich. Erneute Einsprüche folgten, in denen vor allem die erhöhten Emissionen aus den Tunnelröhren eine wichtige Rolle einnahmen. Neben dem gerichtlichen Vorgehen zur Verhinderung der Straße wurde vermehrt Öffentlichkeitsarbeit gemacht, um auf die negativen Folgen des zunehmenden Straßenverkehrs aufmerksam zu machen.
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Andächtiger Widerstand
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Freiburg (kln) Seit Beginn des Widerstandes gegen die B31 Ost Neu gibt es auch eine kleine Gruppe, die Religion und politische Aktivität zusammenbringt. Seit November 1996 findet fast jeden Sonntag ein Gottesdienst statt, der immer gut besucht ist. Die Vorbereitung wird hauptsächlich von 4 Leuten gemacht, die offen sind für alle Interessierten. So wird auch hier wieder einmal die Möglichkeit geboten, kreativ zu sein und Neues auszuprobieren. Dazu paßt auch, daß die Gottesdienste immer ökumenisch gestaltet werden. An einigen Sonntagen waren muslimische Gläubige dabei, die die Gottesdienste mit Geschichten aus ihrer Religion bereicherten. Wichtig ist es den OrganisatorInnen, während des Gottesdienstes Raum zu geben, um persönliche Anliegen zu äußern, dafür gibt es die Fürbitten oder ab und zu auch ein Predigtgespräch. Jetzt zur Osterzeit findet auch am Karfreitag ein Gottesdienst um 10.30 h statt und am Ostersonntag wird der Gottesdienst von Hans Pfeifer (Pfarrer i. R.) gehalten.
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Dienstags-No Streets-Partys fortführen?
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Wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfuhren, wird der bisherige Demo- Organisator Malte sein Amt nach der heutigen Demo niederlegen. Das stellt uns alle, die bisher mit Lust und Laune jeden Dienstag durch die Stadt gezogen sind vor die Frage, wie es denn mit den Demos weitergehen soll. Jede und jeder sollte sich fragen, ob er oder sie dieses Amt übernehmen will, oder ob wir uns grundsätzlich eine andere Aktionsform ausdenken sollten um unseren anhaltenden Widerstand zu zeigen. Denkbar wäre vielleicht auch mal eine große Sitzblockade nach wendländischem Vorbild oder eine Aktion, die sich mit dem Stadttunnel, der nicht gebaut wird, befaßt. Oder der Vergleich, der nicht eingehalten wird, könnte Thema sein, oder, oder, oder... Über diese und andere Themen geht es beim Klausur-Tag am 5. April ab 10 Uhr im neuen Zirkuszelt im Park!!!
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"Schlagende" Argumente?
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In der Nacht auf Freitag, 7.März, beschmierten und verwüsteten Unbekannte das Innere des Konrad-Guenther-Häusles. In derselben Nacht versuchten unerkannte Personen in den Kleinlastwagen eines Aktivisten einzubrechen, der sich für die Alternativen zur B 31 neu einsetzt. Und gleichfalls in dieser Nacht schlugen drei Männer auf die Tür eines Solaranhängers ein, in dem ein gegen die B 31 engagierter Künstler lebt. Sie flüchteten in einem weißen Peugeot, dessen Nummernschild zugeklebt war. Es wurde jeweils Anzeige erstattet. Engagierte MitbürgerInnen renovierten inzwischen das "Häusle" und ersetzten die gleichfalls durch Unbekannt abgeschnittenen Baumsetzlinge durch die Pflanzung von über hundert Jungbäumen: "Jedesmal wenn etwas zerstört wird, richten wir es schöner als zuvor wieder her!"
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Neues Zelt im Park
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Das runde Zelt im Park ist mit seinen Gottesdiensten, Konzerten, Infoabenden, Plena und Festen seit langem der zentralen Ort des Widerstands. Doch nun braucht das Spielmobil sein Zelt wieder für eigene Zwecke, weshalb sich Aktive der Böhmischen Dörfer an die Arbeit für ein neues Zelt machten - ganz nach dem Vorbild des bisherigen. Seit letztem Dienstag hat der Widerstand nun sein neues, altes Zuhause im Park. Mit dem gelb-roten Dach ist es von weitem schon zu erkennen, und dank eines Konstruktionsfehlers ist es sogar einen halben Meter größer als sein Vorgänger. Mit viel Einsatz gelang es, das Zelt für die Hälfte des üblichen Preises zu bauen. Trotzdem fehlt noch Geld, um die letzten Rechnungen zu bezahlen, weshalb Spenden auf dem Konto der Böhmischen Dörfer mehr als willkommen sind: Ökobank, BLZ: 500 901 00, Kto.: 7908458
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Auch wenn sie hundert Autobahnen anfangen zu bauen, wir geben nicht auf Konsens statt Mehrheit -----------------------------------------------------------------------

(PH) Straßen spiegeln einen Zeitgeist wider, der schnell überall hinkommen will und trotzdem keine Zeit gewinnt. Auf den Hochgeschwindigkeitstrassen sterben viele Menschen und sie sind nach einiger Zeit nur Zahlen in einer Statistik. Die Natur wird zum Seitenstreifen. Den Politikern, die eigentlich einen Gestaltungsauftrag besitzen, fällt nichts besseres ein, als die umstrittene B-31 Neu als "Ökostraße" zu deklarieren und sie mit "wirtschaftlichen Zwängen" zu rechtfertigen. Solches Unrecht erzeugt ein mieses Gefühl bei vielen, weil das Übergehen von Einwänden und das Ausspielen verschiedener Stadtteile gegen Andersdenkende und Empfindende eine üble Masche ist, die besonders von OB Böhme praktiziert wurde. Nachdem jetzt auch noch die Schützenallee abgeholzt wurde, entstand bei vielen der Eindruck, es war alles umsonst. Eine andere Sicht wäre, jetzt wurde das Unrecht erst recht deutlich und wir drängen mehr als zuvor auf andere Lösungen. Weil der Bau vier Jahre oder länger dauert, haben wir noch viele Gelegenheiten, etwas zu tun. Im Wesentlichen hat der Konflikt um die B-31 gezeigt, daß andere Formen der Entscheidungsfindung angewandt werden müßen. Mehrheitsentscheidungen benachteiligen und verletzen die Empfindungen der sogenannten "Minderheiten" oder Menschen, die bei den Entscheidungen nicht mitwirken können. Ein Verfahren, das alle Seiten miteinbezieht, ist das in der gewaltfreien Bewegung entwickelte Konsensverfahren, das leider wie viele andere Methoden zu wenig bekannt ist. Bei Diskussionen hat sich herausgestellt, daß durchaus jeder Beiträge leisten kann an Ideen und Wünschen zu Alternativvorschlägen. Speziell die Betroffenen vor Ort kennen verständlicherweise die Gegebenheiten am besten. Es sind alle aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten. Das Thema Verkehr betrifft jeden. (Peter Hodapp)
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MEGAPANNE - MEGAPHON FEHLT
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Seit einer Dienstags-Demo im November oder Dezember `96 fehlt ein Megaphon. Der Schalltrichter ist rechteckig. Info bitte an: UmProWe @ 55 40 83
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Blick in die 3LandBox Die Spinne im Freiburger Netz
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Neuigkeiten rund um den Neubau der B31 Ost lassen sich nicht nur aus der Zeitung erlesen - sie sind auch im Internet und in der 3LandBox zu finden. Diese politische "Mailbox" existiert seit über sechs Jahren und bietet ca. 1500 "schwarze Bretter", von denen per Computer Informationen abrufbar sind. Sie ist Teil eines bundesweiten Mailbox-Netzwerkes. Mario Dück, einer der Betreiber der 3Landbox, gab uns nähere Auskünfte: Wer gehört eurem Netzwerk an? Wir legen Wert auf eine regionale Vernetzung der Freiburger Gruppen und zwar im linken und alternativen Spektrum: Radio Dreyeckland mit seinen diversen Redaktionen, die Umwelt- und Projektwerkstatt, verschiedene Gewerkschaftler, die Medienwerkstatt usw. Wie arbeitet ihr mit den Gruppen zusammen? Wir stellen die technische Infrastruktur und das überregionale Datenangebot zur Verfügung. Die regionalen Termine, Informationen und Diskussionsaufrufe werden von den Gruppen in der Regel selber eingespielt. Nur beim Thema B31 speisen die Leute die Sachen noch nicht selbst ein. Da fungiere ich momentan noch als Verteiler. Wie komme ich als Interessierte an Informationen? Da bedarf es eigentlich nur eines Anrufes, um einen Termin auszumachen, an dem ich die ersten Dinge gerne persönlich erkläre. Erfahreneren Leuten brauchen wir eigentlich nur ein Paßwort mitzuteilen und diverse Einstellungen, die kopieren sich dann die Software auf den Rechner und können von zu Hause aus alles selber machen. Wir besprechen aber mit allen Leuten, wie eine sinnvolle politische Vernetzung möglich ist. Warum eine extra 3LandBox, wo sind die Vorteile gegenüber dem Internet? Bei uns geht es nicht wie bei vielen Internetprovidern um eine Vernetzung um ihrer selbst Willen, sondern ganz klar um die politische Ausrichtung. Und darum, Leuten, die sich nicht die tollen neuen Computer leisten können, ein Werkzeug an die Hand zu geben, um sich mit anderen effektiver zu vernetzen. Die Mailbox kann man auch mit einem Uralt-PC, den es für 100- 150 DM zu kaufen gibt, nutzen. Das ist beim Internet nur schwer möglich. Wo finde ich die Informationen zum Straßenwiderstand? Beispielsweise unter /BAWUENET/3ECKLAND/AKTUELLES+TERMINE. Informationen, die von bundesweiter Bedeutung sind, finden sich im Computernetzwerk Linksysteme und im Brett /CL/VERKEHR/AKTIONEN. Die Bözet organisiert dir den Zugang zu allen Computern im Rathaus und im RP. Was wirst du auf allen Bildschirmschonern hinterlassen? Da würde ich wahrscheinlich das Logo der Aktionsbündnisse plazieren. Noch Fragen? Telefon 0761 / 38 64 20 oder e-mail SUPPORT@3LANDBOX.comlink.apc.org Mailbox: 273424
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--------- Impressum ---------
V.i.S.d.P.:
Jürn Sanders
Kontakt über: Umwelt- und Projektwerkstatt
HabsburgerInnenstr.9
79104 Freiburg
Tel.: 0 76 1 / 55 40 83
Fax: 0 76 1 / 55 40 84
E-mail: UMWELTWERKSTATT@3LANDBOX.comlink.apc.org

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Weitere Kontaktmöglichkeiten im Netz
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BÖHMsche Dörfer GmBh (Gemeinschaft mit Baumhäusern)
E-mail: tree-camp@3landbox.comlink.apc.org

Aktionsbündnis gegen die B31 Ost neu
E-mail: reiner.ehret@metronet.de (Sprecher der Aktionsbuendnisse)

GREENPEACE Gruppe Freiburg
E-mail: gp-freiburg@gaia.de

Umwelt- und Projektwerkstatt Freiburg
E-mail: UMWELTWERKSTATT@3LANDBOX.comlink.apc.org

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Letzte Änderung: 25. Februar 1997